Die Rekordfahrt am 15.03.2025 - 16h39
Die Idee
Kann der im 2018 von einem EPFL-Team erstellte Algorithmus, der einen Fahrplan von 16h54 Dauer generiert hatte, durch natürliche Intelligenz unterboten werden? Christoph Brändle, pensionierter Software-Ingenieur, hat sich dieser Herausforderung gestellt. Die Westschweiz war recht klar, alle bisherigen Rekordfahrten haben diesen Teil vergleichbar durchgeführt. Trotz einiger Versuche wurde auch nichts Besseres gefunden. Aber im Nordosten ist die Situation wesentlich komplexer, da könnte es Möglichkeiten geben, an die noch niemand gedacht hat. Beispielsweise die Postautostrecke Heerbrugg - Oberegg - Heiden - Rheineck, diese führt effizient durch die beiden Appenzell. Und es gibt mittlerweile neue Bahnverbindungen, so dass es denkbar ist, einen besseren Plan zu finden, als die EPFL damals mit viel Aufwand erarbeitet hat.
Der Plan
Eine manuelle Analyse der SBB-Fahrplandaten mit Prüfung verschiedener Varianten ergab am Ende den folgenden Reiseplan mit einer Dauer von 16 Stunden 18 Minuten, also 36 Minuten weniger als der computergenerierte Fahrplan:
St-Maurice VS ab 05:25 - IR1804
Genève GE an 06:55, ab 07:05 - IR90
Renens VD an 07:37, ab 07:41 - IC5
Neuchâtel NE an 08:21, ab 08:32 - IR66
Kerzers FR an 08:49, ab 09:06 - S35
Lyss BE an 09:26, ab 09:30 - IR65
Biel (BE) an 09:39, ab 09:48 - IC51
Grenchen Nord SO an 09:58, ab 09:59 (gleicher Zug)
Delémont JU an 10:18, ab 10:23 (gleicher Zug)
Laufen BL an 10:34, ab 10:35 (gleicher Zug)
Basel BS an 10:55, ab 11:16 - IR27
Zofingen AG an 11:56, ab 11:58 (gleicher Zug)
Luzern LU an 12:30, ab 12:42 - S5
Hergiswil NW an 12:53, ab 12:54 (gleicher Zug)
Alpnachstad OW an 12:58, ab 12:59 - S5
Luzern (LU) an 13:16, ab 13:18 - IR26
Arth-Goldau SZ an 13:45, ab 13:49 - IC2
Altdorf UR an 14:08, ab 14:08 (gleicher Zug)
Bellinzona TI an 14:42, ab 14:47 - EC16
Zug ZG an 16:00, ab 16:01 (gleicher Zug)
Zürich ZH an 16:27, ab 16:43 - S25
Ziegelbrücke SG an 17:25, ab 17:28 - S17
Mühlehorn GL an 17:34, ab 17:34 (gleicher Zug)
Sargans (SG) an 17:58, ab 18:03 - IC3
Landquart GR an 18:11, ab 18:18 - IC908
Sargans (SG) an 18:27, ab 18:39 - IR13
Heerbrugg (SG) an 19:06, ab 19:08 - B226/B222
Oberegg AI an 19:25, ab 19:25 (gleicher Bus)
Heiden AR an 19:35, ab 19:35 (gleicher Bus)
Rheineck (SG) an 19:53, ab 19:56 - S4
St.Gallen St.Fiden (SG) an 20:16, ab 20:22 - S1
Romanshorn TG an 20:46, ab 20:48 (gleicher Zug)
Stein am Rhein SH an 21:43
Es gab einige kritischen Punkte:
- In Alpnachstad gibt es nur eine Minute Umstiegszeit, dabei muss von Perron 2 auf Perron 1 gewechselt werden.
- In Luzern gibt es nur zwei Minuten Umstiegszeit, dabei muss von Perron 14 auf Perron 7 gewechselt werden.
- Auch die Umstiege in Ziegelbrücke (3 Minuten), Heerbrugg (2 Minuten) und Rheineck (3 Minuten) könnten möglicherweise fehlschlagen.
- Der EC von Bellinzona Richtung Norden ist verspätungsanfällig, es könnte sein, dass die folgenden Anschlüsse verpasst werden.
Aber bei mehr Reserven würde die Reise zu lange dauern.
Die Durchführung
Es fand sich ein Team von vier Leuten zusammen, die versuchen wollten, diese Reise tatsächlich durchzuführen. Ein fünfter Kollege kam im Verlauf der Reise noch dazu.
Am Freitag, 14.03.2025 wurde in St-Maurice übernachtet, damit der erste Zug um 05:25 erreicht werden konnte.
Der erste Teil der Reise durch die West- und Nordwestschweiz bis und mit Luzern funktionierte problemlos ohne Schwierigkeiten. Ein paar Minuten Verspätung in Grenchen wegen eines Gegenzuges im Grenchenbergtunnel beunruhigte nicht, in Basel gab es genügend Reservezeit.
Das Problem
Es war bekannt, dass die kritischen Punkte in Alpnachstad (1 Minute) und danach Luzern (2 Minuten) sind. Der Zug von Hergiswil nach Alpnachstad war wegen eines Signalhalts etwas verspätet, der Gegenzug nach Luzern wurde zwar noch erwischt, aber dieser hat die Verspätung mitgenommen. In Luzern waren nur noch die Schlusslichter des ausfahrenden IR26 zu sehen.
Der Plan B
So musste in Luzern schnell ein Ersatzfahrplan gefunden werden. Die einfachste Möglichkeit wäre gewesen, genau eine Stunde später weiter zu fahren, dies hätte grundsätzlich funktionieren können, damit wäre aber kein neuer Rekord aufgestellt worden. Eine halbe Stunde später war nicht möglich, weil nicht alle Verbindungen halbstündlich machbar sind.
Die kurzfristig gefundene Alternative:
- Von Luzern wurde statt nach Arth-Goldau zuerst nach Zug gefahren, damit der Kanton ZG bereits besucht war.
- Der Besuch im Tessin wurde um eine halbe Stunde verzögert, und Altdorf wurde auf dem Rückweg betreten.
- Anstelle von Bellinzona bis Zürich zu fahren, wurde in Arth-Goldau umgestiegen, von dort nach Pfäffikon SZ, womit der originale Plan aufgeholt war.
- Der nun fehlende Kanton ZH wurde am Ende nach Stein am Rhein mit Langwiesen noch angehängt.
Im Detail:
Luzern (LU) ab 13:35 - IR75
Zug ZG an 13:57, ab 14:00 - EC117
Bellinzona TI an 15:12, ab 15:17 - IC2
Altdorf UR an 15:50, ab 15:50 (gleicher Zug)
Arth-Goldau SZ an 16:11, ab 16:16 - VAE
Pfäffikon (SZ) an 16:54, ab 17:07 - S25
Von hier an wieder der Original-Reiseplan mit Besuch in Ziegelbrücke SG, Mühlehorn GL, Landquart GR, Oberegg AI, Heiden AR, Romanshorn TG, Stein am Rhein SH
Jetzt fehlt noch der Kanton ZH:
Stein am Rhein (SH) an 21:43, ab 21:46 (gleicher Zug)
Langwiesen ZH an 22:04
Die Weiterreise
Die Tour ging also in Luzern um 13:36 in Richtung Zug weiter, statt wie geplant um 13:18 in Richtung Arth-Goldau. Die weitere Reise hat ohne grössere Probleme geklappt. Der Zug von Pfäffikon SZ nach Ziegelbrücke hatte zwar wegen einer Baustelle ein paar Minuten Verspätung, was den Anschluss in Ziegelbrücke gefährdete. Aber zum Glück hat die S7 dort gewartet, so dass dieser noch erwischt wurde. Auch die Postautofahrt durch die beiden Appenzell war planmässig.
Um 21:43 wurde wie original gedacht Stein am Rhein erreicht, nur konnte hier noch nicht das Ende gefeiert werden. Die Fahrt ging weiter bis Langwiesen, der ersten Bahnstation im Kanton ZH an der Seelinie, diese wurde fahrplanmässig um 22:04 erreicht.
Am Ziel
Vier Minuten nach zehn Uhr abends: nach 16 Stunden 39 Minuten ist Langwiesen erreicht. Damit wurden sämtliche Kantone in bisher kürzester Zeit betreten. Rekord geschafft!
Weitere Informationen
Ein Bericht über diese Reise erschien in diversen chmedia-Zeitungen und auf watson.ch.